In der modernen Fertigung stehen Unternehmen vor einer Vielzahl von Herausforderungen: Variantenreiche Produkte, schwankende Auftragslagen, steigende Kundenanforderungen und der stetige Druck, Liefertermine einzuhalten und dabei trotzdem kosteneffizient zu produzieren. Klassische Planungstools wie Excel stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Wer heute im Wettbewerb bestehen will, benötigt eine präzise, flexible und transparente Planung. Genau hier setzt die Feinplanung an – aber wie funktioniert sie? Welche Vorteile bietet sie? Und warum ist sie für Fertigungsunternehmen so wichtig für eine effiziente Produktion?
Unter Feinplanung versteht man die detaillierte operative Planung von Fertigungsaufträgen, Maschinen, Mitarbeitenden und Ressourcen. Sie ist das Bindeglied zwischen der strategischen Planung, wie sie beispielsweise im Enterprise Resource Planning (ERP) stattfindet, und der tatsächlichen Ausführung auf dem Shopfloor. Die Grobplanung gibt auf Basis von Bestellungen, Bedarfsplanung und versprochenen Lieferterminen vor, welche Aufträge in einer bestimmten Woche bearbeitet werden sollen. Und die Feinplanung sorgt dafür, dass jeder Auftrag genau zur richtigen Zeit auf der passenden Maschine mit den benötigten Ressourcen ausgeführt wird – stets unter Berücksichtigung sämtlicher Restriktionen und Abhängigkeiten, die das ERP möglicherweise gar nicht kennt. Außerdem liegt der Fokus der Feinplanung auf Effizienz und einem optimalen Ressourceneinsatz.
Typische Fragestellungen, die in der Feinplanung beantwortet werden, lauten:
- Welche Aufträge laufen wann und auf welcher Maschine?
- Wie werden Rüstzeiten minimiert?
- Wie lassen sich Engpässe vermeiden oder schnell beheben?
- Welche Mitarbeitenden mit welchen Qualifikationen stehen zur Verfügung?
Die Feinplanung ist somit das taktische Steuerungsinstrument der Produktion und sorgt dafür, dass alle Ressourcen optimal eingesetzt werden.
Wie funktioniert Feinplanung?
Die Feinplanung ist ein mehrstufiger Prozess, der zahlreiche Faktoren berücksichtigt und aufeinander abstimmt. Im Zentrum steht dabei die Aufgabe, aus einer Vielzahl von Aufträgen, Maschinen, Werkzeugen und Mitarbeitenden einen möglichst optimalen Produktionsplan zu erstellen. Dabei werden folgende Schritte durchlaufen:
1. Erfassung aller relevanten Daten:
Zunächst werden sämtliche relevanten Informationen zusammengeführt: von Fertigungsaufträgen über Maschinenverfügbarkeiten bis hin zu Materialbeständen und Qualifikationen der Mitarbeitenden. Auch Wartungsfenster, Schichtpläne und Liefertermine fließen in die Planung ein.
2. Berücksichtigung von Restriktionen:
Jede Fertigung hat ihre spezifischen Restriktionen: Maschinenkapazitäten, Rüstzeiten, Materialverfügbarkeit, Qualifikationen der Mitarbeitenden oder auch Reihenfolgen, in denen bestimmte Aufträge abgearbeitet werden müssen. Diese Faktoren werden in der Feinplanung systematisch berücksichtigt, um realistische und umsetzbare Pläne zu erstellen.
3. Priorisierung und Optimierung:
Nicht alle Aufträge sind gleich wichtig. Die Feinplanung bewertet und priorisiert Aufträge nach Liefertermin, Dringlichkeit oder Kundenpriorität. Ziel dabei ist es, die Termintreue zu maximieren und gleichzeitig die Auslastung der Ressourcen zu optimieren. Intelligente Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) helfen dabei, die beste Reihenfolge und Verteilung der Aufträge zu finden.
4. Simulation von Szenarien:
Ein besonderer Vorteil moderner Feinplanung ist die Möglichkeit, verschiedene Szenarien zu simulieren. Was passiert, wenn eine Maschine ausfällt? Wie wirkt sich ein Eilauftrag auf den bestehenden Plan aus? Durch Simulationen können Unternehmen schnell auf unerwartete Ereignisse reagieren und alternative Pläne erstellen, bevor es zu Engpässen oder Lieferverzögerungen kommt.
5. Visualisierung und Kommunikation:
Die Ergebnisse der Feinplanung werden in übersichtlichen Gantt-Diagrammen oder auf interaktiven Plantafeln visualisiert. Änderungen und Anpassungen können hier direkt umgesetzt werden. Ist der Plan freigegeben, so wird dieser automatisch an alle beteiligten Stellen kommuniziert. Zum Beispiel werden eingeplante Aufträge an den jeweiligen Maschinenterminals angezeigt.

Der Nutzen der Feinplanung für Fertigungsunternehmen
Die Einführung einer Feinplanung bietet Fertigungsunternehmen zahlreiche Vorteile, die weit über eine reine Zeitersparnis hinausgehen.
- Steigerung der Termintreue:
Dank der detaillierten Planung können Fertigungsunternehmen ihre Liefertermine zuverlässig einhalten. Kundenaufträge werden pünktlich fertiggestellt, was die Kundenzufriedenheit und das Vertrauen in das Unternehmen stärkt. - Erhöhung der Transparenz:
Mit einer modernen Feinplanung behalten Planer jederzeit den Überblick über den aktuellen Stand der Produktion. Engpässe, Verzögerungen oder Überlastungen werden frühzeitig erkannt und können gezielt adressiert werden. - Optimale Ressourcenauslastung:
Maschinen, Werkzeuge und Mitarbeitende werden bestmöglich eingesetzt. Die Feinplanung sorgt dafür, dass keine Ressourcen ungenutzt bleiben und gleichzeitig keine Überlastungen entstehen. - Reduzierung von Rüst- und Stillstandszeiten:
Durch eine geschickte Reihenfolgeplanung und die Berücksichtigung von Rüstzeiten lassen sich Stillstände minimieren. Die Fertigung läuft effizienter und mit weniger Unterbrechungen. - Schnellere Reaktionsfähigkeit:
Unvorhergesehene Ereignisse wie Maschinenausfälle oder Eilaufträge können schnell und flexibel in den Plan integriert werden. Die Simulation von Alternativszenarien ermöglicht eine proaktive Steuerung der Fertigung. - Grundlage für die Smart Factory:
Die Feinplanung ist ein zentrales Element auf dem Weg zur Smart Factory. Sie schafft die Voraussetzung für eine durchgängig digitale und vernetzte Produktion, in der alle Prozesse optimal aufeinander abgestimmt sind.
Feinplanung mit Advanced Planning and Scheduling Systemen (APS)
Um die Komplexität moderner Fertigungsprozesse zu beherrschen, setzen viele Unternehmen auf spezialisierte Softwarelösungen wie ein Advanced Planning and Scheduling System (APS). Diese Systeme automatisieren und optimieren die Feinplanung mithilfe intelligenter Algorithmen. Sie berücksichtigen sämtliche Restriktionen und Abhängigkeiten, berechnen optimale Reihenfolgen und ermöglichen die Simulation verschiedener Szenarien.
Ein APS ist in der Regel eng mit dem Manufacturing Execution System (MES) und dem ERP-System verknüpft. Während das ERP die langfristige Planung und Verwaltung von Aufträgen übernimmt, sorgt das MES für die operative Steuerung und Rückmeldung vom Shopfloor. Das APS bildet die Brücke dazwischen und sorgt für eine reibungslose Abstimmung aller Planungsebenen.

Praxisbeispiel: Feinplanung im Einsatz
Anwender der Planungslösung APS FEDRA von MPDV bestätigen, wie wichtig die Feinplanung ist und was man mit dem richtigen Tool erreichen kann:
- Nach der Einführung der automatischen und KI-basierten Produktionsplanung mit APS FEDRA sagte Michael Wetzel-Staar, Fertigungsleiter bei VACOM Vakuum Komponenten & Messtechnik GmbH: „Wir sind in der Lage, dem Kunden bei der Auftragsbestätigung zu sagen, wann er sein kundenspezifisches Bauteil bekommt – und den Termin zu halten. Die Terminqualität wird sich massiv steigern.“ In der Regel sind bei VACOM etwa 1.200 Aufträge im Umlauf mit jeweils bis zu 20 Arbeitsgängen. Das sind zwei bis drei Aufträge pro Maschine pro Tag bei einem Planungshorizont von sechs Monaten.
- Marcus Pottendorfer, Head of Supply Chain Management bei KLINGER Fluid Control GmbH ist ebenfalls von der KI-basierten Planung mit APS FEDRA begeistert: „Durch die intelligenten KI-Funktionalitäten in FEDRA werden alle unsere Arbeitsgänge aufeinander abgestimmt eingeplant, wobei alle Randbedingungen berücksichtigt werden. Dadurch zeigte sich ein deutlich erhöhter Output an Fertigerzeugnissen von +25 %.“ Marcus Pottendorfer definierte dafür die spezielle Zielfunktion der KI-Planung, die für die Priorisierung von Kundenaufträgen verantwortlich ist, und legte damit den Grundstein für eine Lösung, die heute weit über KLINGER Fluid Control hinaus Wirkung entfaltet.
Fazit: Feinplanung als Schlüssel zur effizienten Produktion
Feinplanung ist weit mehr als nur ein weiteres Planungstool. Sie ist der Dirigent der modernen Fertigung, der die vielen unterschiedlichen Akteure in der Fertigung in Einklang bringt und auf das gemeinsame Ziel fokussiert. Durch die detaillierte Abstimmung aller Ressourcen und die Berücksichtigung sämtlicher Restriktionen können Unternehmen flexibel auf Veränderungen reagieren. Das verschafft ihnen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Wer heute auf Feinplanung setzt, schafft die Grundlage für eine effiziente, transparente und zukunftssichere Produktion – und damit für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
