KI als chance für die fertigung

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Doch welche Rolle spielt KI in der Fertigung wirklich, wo stehen Unternehmen bei dem Thema heute und was könnte ein Szenario für übermorgen sein? 3975 Zeichen für eine kurze Antwort.

Das Wichtigste vorweg, unabhängig von Bitkom-Studien und den vielen Umfragen zum Thema: Neben innovativen Produktionstechnologien wie Elektromobilität oder 3D-Druck werden zwei digitale Treiber das Wesen der Produktion entscheidend verändern. Dazu zählt zum einen die noch stärkere Vernetzung und Integration von Systemen. Zum anderen ein Mehr an „künstlicher“ Intelligenz. Beide werden Effizienz und Effektivität in der Fertigung auf ein nie dagewesenes Niveau heben. Insbesondere KI wird ein Motor für eine neue Produktivität.

Dazu möchte ich ein klassisches Beispiel geben: Predictive Maintenance. Heute zeigen die meisten Systeme nur Schäden an, wenn die Maschine stillsteht und sich der Produktionsprozess verzögert. Durch KI, digitale Vernetzung, moderne Sensortechnik und eine intelligente Datenanalyse lassen sich Störungen verringern und ungeplante Ausfälle schon vorhersagen, bevor sie überhaupt eintreten. Außerdem lassen sich mit KI Wartungsintervalle optimieren und Verbesserungspotenziale aufdecken. Auch die Unterstützung der Autonomie von Robotern und anderen autonomen Systemen sind relevante Anwendungen von KI in der Fertigung, die so auch eine Neuorganisation der Fertigung erlauben und nicht nur die bisherige Fertigung in Richtung Effizienz optimieren.

Schlüsselrolle für das Neudenken in der Fertigung

Für Fertigungsunternehmen sind Vernetzung und KI eine doppelte Chance, Lösungen in diesen Bereichen weltweit führend zu entwickeln und zugleich ihre Position am Markt zu stärken.

Umso erstaunlicher ist es, dass laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom gerade einmal 12 Prozent der Fertigungsunternehmen KI aktuell nutzen. Gleichzeitig sehen fast 40 Prozent der Befragten Predictive Maintenance als einen der wichtigsten Vorteile von Industrie 4.0 und fast 50 Prozent gehen davon aus, dass KI Geschäftsmodelle disruptiv verändert und die Produktivität steigert.

Zugegeben, das klingt schon etwas schizophren. Doch obwohl Stand heute nur 12 Prozent KI nutzen, zeigen die 50 Prozent der Befragten, die davon überzeugt sind, dass KI die Produktivität steigert, dass das Thema – in the long run – eine Schlüsselrolle für das Neudenken der modernen Produktion und für neue Geschäftsmodelle und Produktivität spielen wird. Dabei werden wir bald spezifische Anwendungsfelder verlassen, aber nicht, um die Souveränität an eine überlegene KI zu verlieren oder vornehmlich einen halb-künstlichen Übermenschen (Cyborg) mit KI-Chip zu erzeugen, wie es KI-Insider in ihren Szenarien skizzieren. Ein anderes größeres Bild zeichnet sich ab. Meine ganz persönliche These dazu möchte ich an dieser Stelle mit Ihnen teilen.

Mensch und Maschine als unschlagbares Team

Auf Basis von KI werden wir durch das Empowerment des Menschen durch intelligente Assistenzsysteme & Co wie auch durch intelligente künstliche Agenten keineswegs einen neuen Wettbewerb der Intelligenzen, sondern vielmehr eine überlegene Kollaboration von Mensch und Maschine im gemeinsamen kollaborativ-kognitiven Ökosystemen erleben, die die Stärken beider Agenten perfekt kombiniert. Eine optimale Collaborative Intelligence wird sich erst durch Vernetzung von Human Intelligence und KI ergeben. 

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin mir sicher: Lang- und mittelfristig ist das Thema KI in der Fertigung ein ganz entscheidende Erfolgsfaktor, um sich am Markt zu behaupten. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Einführung von KI wegen des hohen technischen Aufwands Zeit und Geld kostet. Bis die positiven Effekte eintreten, wird etwas Zeit ins Land gehen. Unternehmen sollten sich ein Verständnis für die Technologie und Einsatzmöglichkeiten in allen Führungsebenen aneignen und eine KI-Strategie entwickeln.

Je eher Sie sich auf den Weg machen, desto besser. Denn eins ist sicher: Wer auf KI in der Fertigung setzt, wird wahrscheinlicher zu den Gewinnern gehören. Wer den Trend hingegen verschläft, könnte schon mittelfristig durch die Wettbewerbsnachteile ebenso wahrscheinlich von der Bildfläche verschwinden.

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